Projekt BOS Digitalfunk in Hessen

Migration analoger - digitaler Behördenfunk in Hessen / Einkaufskooperation Polizei Hessen und hessische Kommunen    

Mit Interesse beobachten wir die Bemühungen um den Ausbau des digitalen BOS Funksystems in Hessen. Das digitale TETRA System, das 1998 geplant und innerhalb der nächsten Jahre zur Verfügung stehen sollte, tritt nun in die Aufbauphase. Während dieser Migration von analog zu digital muss selbstverständlich weiterhin für alle Dienste ein ununterbrochener, sicherer und zuverlässiger Funkbetrieb gewährleistet werden. Das heißt, so viele Änderungen wie nötig und so wenige wie möglich um Risiken zu vermeiden. Ein auf Infrastruktur basierendes Funksystem wie TETRA hat nur seine spezifischen Vorteile, wenn eine flächendeckende Funkversorgung von den neu aufzubauenden TETRA Basisstationen erreicht wird. Die direkte Funkverbindung von Endgerät zu Endgerät ist im TETRA Standard als Notlösung und nicht als Notfalllösung vorgesehen.

Der Aufbau eines Netzes, dem GSM Mobiltelefonnetz nicht unähnlich, verlangt die Verfügbarkeit von hunderten von geeigneten Antennenstandorten am richtigen Punkt, in der richtigen Höhe und mit BOS spezifischen Zugangskriterien. Und das nicht nur in den Ballungsgebieten Südhessens, sondern flächendeckend auch in den dünn besiedelten Regionen Ost- und Nordhessens.

In unserem Bundesland, geprägt von Mittelgebirgen und fast 200 Bergregionen, die höher als 500m sind ist das eine Herausforderung selbst für die Mobiltelefonnetzbetreiber, die monatlich viele Millionen Euro Gebühren einnehmen. Die der Behörde zur Verfügung stehenden Standorte bzw. Gebäude können erfahrungsgemäß nur im geringen Umfang verwendet werden. Neue müssen gesucht, geprüft, genehmigt und ausgebaut werden. Sicherheitsbedenken und Einsprüche von Anwohnern machen es obendrein schwierig schnell ein zellulares Netz zu bilden. Von den zusätzlichen Kosten für Anmietung und Standortertüchtigung ganz zu schweigen.  

Herr Minister Bouffier hat ja bereits zeitliche Bedenken wegen dieser Unwägbarkeiten geäußert. Neben dem zeitaufwändigen Aufbau der Funkinfrastruktur ist durch die speziellen Forderungen der BDBOS nach einzigartigen Funktionen der Endgeräte auch noch eine Verzögerung bei der Verfügbarkeit dieser speziell deutschen Geräte eingetreten. Derzeit ist noch kein einziges Gerät am Markt, das alle diese Funktionen nachgewiesen hat. Von der Bedienung im Einsatz, Wechsel von TMO zu DMO oder Änderung der Rufgruppe ganz zu schweigen. Ob dann die hessischen BOS Kunden den Premiumpreis für die BDBOS Funktionalität zahlen möchten wird sich zeigen. 

Alle diese genannten Punkte sprechen nicht gegen den BOS Digitalfunk. Wir brauchen modernere Kommunikationssysteme und Geräte für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Doch die Erfahrungen mit  Netzaufbau und Integration sprechen dafür, dass die Migration von analog zu digital wesentlich länger dauern wird als der Zeitrahmen der heute vorgegeben wird. Außerdem muss man die bezahlbare Flächenversorgung außerhalb der Ballungsgebiete in Zweifel ziehen. TETRA Meldeempfänger oder Handfunkgeräte im Einsatzstellenfunk würden eine solche Anzahl zusätzlicher Basisstationen erfordern, dass die derzeitige Kostenkalkulation bei weitem überschritten würde. Auch fehlt hier die technische Notwendigkeit.

2m Geräte der BOS, ob digitale POCSAG Meldeempfänger oder FuG11b sind auf dem modernsten Stand der Technik, nicht zu vergleichen mit den betagten zum Teil gar nicht mehr verfügbaren 4m Geräten und können für den Bruchteil einer TETRA Investition beschafft werden.  Also muss man auf die Frage, welche und wie viele TETRA Handfunkgeräte und Meldeempfänger die hessischen Feuerwehren im Jahre 2010 beschaffen wollen schlicht antworten: KEINE

Kein flächendeckendes TETRA Netz verfügbar. Kein Einsatzzweck mit Mehrwert erkennbar. HALT !  

Vielleicht doch einige für die Berufsfeuerwehren und Polizei, sowie Rettungsdienste in den Ballungsgebieten. Dort macht TETRA Sinn, ist erheblich schneller verfügbar und kann auch bezahlt werden.   In den ländlichen Regionen kann man sich weder die Infrastruktur für Meldeempfänger oder Handfunkgeräte leisten noch die Folgekosten für die TETRA Investition bezahlen. Man würde sich freuen, wenn in Planung und Kommunikation zum Nutzer des digitalen BOS Netzes realistische Zeitrahmen und Kosten genannt würden. Was heute passiert ist mehr Verunsicherung und Unklarheit bei den Betroffenen als Fortschritt in unserer Notfallkommunikation.