Stand der Dinge Januar 2009

Projekt BOS Digitalfunk Migration analoger - digitaler Behördenfunk

Mit Interesse beobachten wir als Funkfachhändler und Importeur im zentraleuropäischen Bereich die Bemühungen um den Ausbau des digitalen BOS Funksystems.

Das digitale TETRA System, das seit 1998 "innerhalb der nächsten Jahre" zur Verfügung stehen sollte, tritt nun in die Aufbauphase.

Während dieser Migration von Analog zu Digital muss selbstverständlich weiterhin für alle Dienste ein ununterbrochener, sicherer und zuverlässiger Funkbetrieb gewährleistet sein.

Das heißt, so viele Änderungen wie nötig und so wenige wie möglich um Risiken zu vermeiden.

Ein Infrastruktur basierendes Funksystem wie TETRA hat nur seine spezifischen Vorteile, wenn eine flächendeckende Funkversorgung von den neu aufzubauenden TETRA Basisstationen erreicht wird.

Die direkte Funkverbindung von Endgerät zu Endgerät = DMO ist im TETRA Standard als Notlösung und nicht als Notfalllösung vorgesehen.

Der Aufbau eines Netzes, dem GSM Mobiltelefonnetz nicht unähnlich, verlangt die Verfügbarkeit von hunderten von geeigneten Antennenstandorten am richtigen Ort in der richtigen Höhe mit BOS spezifischen Zugangskriterien.

Nicht nur in den Ballungsgebieten, sondern flächendeckend auch in den dünn besiedelten Regionen. In vielen Bundesländern und fast 200 Bergregionen, die höher als 500m sind, ist dies eine Herausforderung selbst für die Mobiltelefonnetzbetreiber, die monatlich Millionen Euro Gebühren einnehmen.

Die der Behörde zur Verfügung stehenden Standorten bzw. Gebäuden können erfahrungsgemäß nur im geringen Umfang verwendet werden. Neue Standorte müssen gesucht, geprüft, genehmigt und ausgebaut werden.

Sicherheitsbedenken und Einsprüche von Anwohnern machen es obendrein schwierig schnell ein zellulares Netz zu bilden, von den zusätzlichen Kosten für Anmietung und Betrieb ganz zu schweigen.

In verschiedenen Bundesländer haben ja bereits die Verantwortlichen zeitliche Bedenken wegen dieser Unwägbarkeiten geäußert.

Neben dem zeitaufwändigen Aufbau der Funkinfrastruktur ist durch die speziellen Forderungen der BDBOS nach einzigartigen Funktionen der Endgeräte auch noch eine Verzögerung bei der Verfügbarkeit dieser speziell deutschen Geräte eingetreten.

Derzeit ist noch kein einziges Gerät am Markt, das alle diese Funktionen nachgewiesen hat. Von der Bedienung im Einsatz, Wechsel von TMO zu DMO oder Änderung der Rufgruppe ganz zu schweigen.

Ob dann die deutschen BOS Kunden den Premiumpreis für die BDBOS Funktionalität zahlen werden wird sich zeigen.

All die genannten Punkte sprechen nicht gegen den BOS Digitalfunk. Wir brauchen modernere Kommunikationssysteme und Geräte für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste.

Alle Erfahrung mit Netzaufbau und Integration spricht aber dafür, dass die Migration von analog zu digital wesentlich länger dauern wird als der Zeitrahmen, der heute propagiert wird.

Außerdem muss man die bezahlbare Flächenversorgung außerhalb der Ballungsgebiete in Zweifel ziehen. TETRA Meldeempfänger oder Handfunkgeräte im Einsatzstellenfunk die wirklich überall von einer Basisstation versorgt werden würden eine solche Anzahl zusätzlicher Basisstationen erfordern, dass die derzeitige Kostenkalkulation um ein Mehrfaches überschritten würde.

Auch fehlt hier die technische Notwendigkeit. 2m Geräte der BOS, ob digitale POCSAG Meldeempfänger oder FuG11b sind auf modernstem Stand der Technik, nicht zu vergleichen mit den betagten zum Teil gar nicht mehr verfügbaren 4m Geräten und können für den Bruchteil einer TETRA Investition beschafft werden.

Außerdem ist zu bedenken, dass es gerade in den Ballungsgebieten in Deutschland hunderte von analogen BOS Gebäudefunkanlagen gibt, die die Feuerwehren vorgeschrieben haben. Wenn es in diesen Gebäuden keine Funkversorgung für analoge, Geräte gab gibt es die für digitale auch nicht. Fahren also dann unsere Feuerwehren mit digital und analog Geräten in den Einsatz um für alle Fälle gerüstet zu sein ? Oder fällt uns irgendwann auf, dass wir hier Dinge erzwingen wollen, die weder bezahlbar sind noch einsatztaktischen Sinn machen.

Löschen, Bergen, Retten ist die Hauptaufgabe unserer Feuerwehren. Funk ist nur Mittel zum Zweck, zur Sicherheit und Information. Ein marktübliches TETRA Funkgerät hat im Schnitt 25 Bedientasten / Knöpfe und die Bedienungsanleitung hat mehr als 100 Seiten. Da bekommt die Bezeichnung „Funkausbilder" eine ganz neue Bedeutung.

Übrigens: Bisher hatte jede Wehr ihre Fachleute aus Handel und Technik, die alle Probleme, Einbauten oder Sonderzubehöre lösen konnten und schon mal außerhalb der Zeit für ihre Kunden da waren. Die kommenden Rahmenbeschaffungen von zigtausenden von Geräten werden ein Hauen und Stechen der großen Hersteller um jeden Cent auslösen, bei denen der Fachhandel außen vor bleibt. Da muss die Feuerwehr bei Geräteproblemen dann auf die „Hotline" des Herstellers zurückgreifen.

Also muss man auf die Frage, welche und wie viele TETRA Handfunkgeräte und Meldeempfänger unsere Feuerwehren und Rettungsdienste in den kommenden Monaten beschaffen wollen antworten : Sehr wenige

  • Kein flächendeckendes TETRA Netz verfügbar.
  • Kein Einsatzzweck mit Mehrwert erkennbar.

Und das auf Jahre hinaus. Der Umstieg von Analog auf Digital kann erst erfolgen wenn ein Gebiet auch voll versorgt ist.

In den ländlichen Regionen kann man sich weder die Infrastruktur für Meldeempfänger oder Handfunkgeräte leisten noch die Folgekosten für die TETRA Investition bezahlen.

Wir als mittelständisches Unternehmen mit über 40 Jahre Historie in der Ausstattung der deutschen BOS würden uns freuen, wenn in Planung und Kommunikation zum Nutzer des digitalen BOS Netzes realistische Zeitrahmen und Kosten genannt würden.

Was heute passiert ist mehr Verunsicherung und Unklarheit bei den Betroffenen als Fortschritt für unsere Notfallkommunikation.


 

08. August 2007

Der BOS Digitalfunk kommt

und wird die 4m BOS Funksysteme ersetzen.

Dies sind die Funkverbindungen zwischen Leitstelle und Fahrzeug, den Fahrzeugen untereinander und den ortsfesten Funkstellen.

Auf der Grundlage des Anforderungsprofils an das Netz ( GAN ), das vom jeweiligen Bundesland zu bestimmen ist, wird eine flächendeckende Funkversorgung außerhalb von Gebäuden angestrebt. In Ballungsgebieten kann aber auch regional und vereinzelt mit einer Funkversorgung hinter der ersten Wand eines Gebäudes gerechnet werden.

Eine flächendeckende Funkversorgung innerhalb von Gebäuden wäre durch die dann notwendige erhöhte Anzahl von Funkbasisstationen bei weitem zu teuer.

Derzeit plant man für Deutschland mit ca. 5.000 Basisstationen für das neue digitale BOS Funknetz, das im Endausbau Funkservice für ca. 500.000 Teilnehmer bieten soll.

Die erst kürzlich gegründete und noch nicht voll funktionsfähige Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben  BDBOS www.bdbos.bund.de hat bereits erklärt, dass mit einem Vollausbau des Netzes nicht vor 2013 gerechnet werden kann. http://www.heise.de/newsticker/meldung/92503/

In dieser Zeit 5000 Basisstationen und viele neue Leitstellen zu errichten, ist durchaus eine Herausforderung für die Industrie. Speziell dadurch, dass bis heute keine Aufträge für Planung, Aufbau und Betrieb vergeben wurden und auch der Bundesanstalt noch einige Mitarbeiter fehlen.

Nach Abschluss des Netzausbaus ist eine dreijährige Übergangszeit ( Migration analog - digital ) geplant die es den Nachzüglern ermöglicht ihre analogen 4m Netze umzurüsten und digitale Geräte zu beschaffen.

Dann schreiben wir im besten Fall bereits das Jahr 2016.

Was passiert nun mit dem 2m BOS Band ?

Diese Funksysteme, hauptsächlich die stille POCSAG Alarmierung und die Handfunkgeräte im Einsatzstellenfunk werden weiter bestehen.

Eine Funkversorgung innerhalb von Gebäuden kann in Ballungsgebieten erreicht werden, steht aber flächendeckend nicht zur Verfügung.

Dadurch können Meldeempfänger in Gebäuden nicht sicher erreicht werden.

Der Landesbranddirektor im Innenministerium Baden Württemberg www.im.baden-wuerttemberg.de hat bereits die Gemeinden darauf hingewiesen, dass im Bereich der Feuerwehren das neue digitale BOS Funksystem nur die 4m Funkanlagen ersetzt.

Außerdem sind im TETRA Standard keine reinen Empfänger ( Pager ) möglich.

Das System basiert auf dem Dialog zwischen Netz und Endgeräten, genauso wie unsere GSM Handy´s.  www.etsi.org/

Spätestens wenn die End to End Verschlüsselung eingeführt wird muss sich jedes Gerät identifizieren können, da sich der Verschlüsselungsalgorythmus ständig ändert. Damit wäre ein Meldeempfänger nicht mehr im Netz bekannt, da er ja keine

Schlüsseländerung bestätigen kann.

Auch bei den Handfunkgeräten am Einsatzort kann nicht erst abgeklärt werden, ob Funkversorgung zur Verfügung steht. Die Geräte müssen sofort sicher funktionieren, auch innerhalb von Gebäuden.

Die Feuerwehren werden also ihre 2m analog Ausrüstung noch lange behalten um Alarmierung und Einsatzstellenfunk sicherzustellen.

Damit ergibt sich Planungssicherheit für die Feuerwehren und Gemeinden und sicherlich auch eine gewisse Erleichterung bei den angespannten Haushalten.

 

BOS-Digitalfunk: Bund erteilt Zuschlag zur Beschaffung der Systemtechnik

Das Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern hat heute den Zuschlag im Vergabeverfahren zur Beschaffung der Systemtechnik für den BOS-Digitalfunk an die EADS Secure Networks erteilt. Damit steht ein weiterer Eckpfeiler des Bund-Länder-Projektes zur Einführung des bundesweit einheitlichen BOS-Digifunks für die Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdienste


Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble betonte anlässlich der Zuschlagserteilung: "Dieses Projekt beweist einmal mehr, dass Bund und Länder erfolgreich zusammenarbeiten können. Nun werden wir zügig mit dem Aufbau des BOS-Digitalfunks beginnen."


Weitere Eckpfeiler für die Einführung des Digitalfunks sind die Errichtung einer Bundesanstalt und das Verwaltungs- abkommen über die Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Bundestag und Bundesrat haben dem Gesetz zur Errichtung der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) zugestimmt. Es wird aller Voraussicht nach noch in diesem Monat in Kraft treten. Das Verwaltungsabkommen haben Bund und Länder im Mai paraphiert. Seine Unterzeichung durch die Minister und Senatoren des Innern ist für November dieses Jahres geplant.

Hintergrund: Bund und Länder verfolgen das Ziel, gemeinsam ein auf dem Mindeststandard GAN der Gruppe "Anforderungen an das Netz" basierendes, mit einer bundeseinheitlichen Technik ausgestattetes digitales Sprech- und Datenfunksystem für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben(BOS-Digitalfunk) einzuführen und als Gesamtnetz bis spätestens 31. Dezember 2010 in Betrieb zu nehmen.Die Vergabe des Rahmenvertrags Systemtechnik erfolgte im Wettbewerb (Nichtoffenes Verfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb nach § 3 a VOL/A) auf der Basis der zwischen Bund und Ländern abgestimmten Anforderungen. Die Funksystemtechnik umfasst im Wesentlichen die Basisstationen, die Vermittlungstechnik und das Netzwerkmanagement. Vier Firmen hatten Angebote abgegeben. Im Ergebnis der Auswertung, die Labor- und Feldtests umfasste, erhält das EADS-Angebot als das wirtschaftlichste denZuschlag. Als Unterauftragnehmer von EADS ist die Firma Siemens am Systemtechnikauftrag beteiligt.

Quelle: BMI Pressemitteilung: BOS-Digitalfunk: Bund erteilt Zuschlag zur Beschaffung der Systemtechnik

Internetredaktion des Bundesministerium des Innern

Pressemitteilung Publiziert am 28. Aug 2006